Vom Gefühl des Übergangen werdens von Bonuseltern

Gerade dachtest du noch, ihr würdet jetzt gemeinsam das Wochenende planen, da ist – ZACK – irgendwie die Entscheidung in der Patchworkfamilie gefallen. Und du sitzt daneben und fragst dich, an welchem Punkt denn jetzt eigentlich deine Mitwirkung an der Entscheidung verloren gegangen ist? Du, als Bonuselternteil, fühlst dich irgendwie übergangen, übersehen und nicht so richtig – also ich meine GANZ richtig – Teil dieser Familie. Kommt da eine Ohnmacht? Eine Wut? Eine Traurigkeit?

Moment, moment! Wo ist der Freeze-Knopf? Können wir bitte kurz die Situation anhalten und sortieren, damit wir dann wieder konstruktiv und lösungsorientiert aufeinander schauen können?

Dieses ganze Chaos im Patchworkalltag zu sortieren, kann echt eine Herausforderung sein und damit – auch wenn das vielleicht nur ein schwacher Trost ist – bist du nicht alleine!

Als Bonusmutter oder -vater gehört das Gefühl übergangen zu werden zu den größten emotionalen Belastungsproblemen im Patchworkgefüge.

Wo kommen diese Gefühle her und warum lähmen sie dich so sehr? Und sind sie der aktuellen Situation gegenüber eigentlich angemessen oder trägst du sie weit, weit aus deiner Vergangenheit mit dir rum?

Lass uns erstmal eins klarstellen: Alle deine Gefühle sind ok! So wie sie sich zeigen, dürfen sie da sein. Entscheidend ist, wie du mit ihnen umgehst, wie du mit dir umgehst und wie du sie nach außen bringst.

Du als Bonusmutter oder -Vater bist ok, so wie du bist!

Und noch etwas: Dass du dich für manches, was in dir hoch kommt verurteilst, ist völlig normal! Und auch dieses Gefühl darf da sein und ist nicht falsch.

Im Patchworkgefüge treffen zwei Arten zusammen Entscheidungsprozesse zu führen und den Alltag zu gestalten. Ihr hattet nicht die Möglichkeit, gemeinsam in die Elternrolle hinein zu wachsen sondern steht dort, wo ihr jetzt steht mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Deine Partner:in und deren Kinder sind ein seit Jahren eingespieltes Team. Manchmal ruckelt und zuckelt es hier und dort aber die Grundstrukturen jedes eingespielten Teams sind relativ starr und verändern sich nur langsam. Und du kommst eben mit deiner ganz eigenen Art den Alltag zu gestalten und Entscheidungen zu treffen in dieses System.

Das ist erst mal nichts Besonderes. Ihr seid nicht komisch oder besonders kompliziert. Wo andere Paare zu zweit die Möglichkeit haben einen gemeinsamen Umgang im Alltag zu entwickeln, sich aneinander angleichen und Unterschiede bewusst und ganz in Ruhe ausdiskutieren können, sind bei euch eben immer noch mehr Menschen da, die keinen Raum lassen für diese Arbeit miteinander und die ihre eigene Dynamik mitbringen. Und ihr müsst den Prozess der Entscheidungsfindung eben in der Patchworkfamilie entwickeln und üben.

Dass dich das frustriert und ein Gefühl von Machtlosigkeit, Ausgeschlossen sein oder mangelnder Wertschätzung auslöst, ist völlig normal! Auch du für dich darfst dir Begleitung suchen!

Deine Bedürfnisse bei Entscheidungen in der Patchworkfamilie sind wichtig!

Das bedeutet aber nicht, dass du und deine Gefühle und Bedürfnisse nicht wichtig sind in eurem Patchworksystem. Und es bedeutet auch nicht, dass die Kinder oder dein:e Partner:in sich nicht dafür interessiert, was dir wichtig ist. Im Gegenteil! Es geht einfach unter in diesem Alltagsgewusel. Ohne, dass jemand eine böse Absicht hegt.

Und es liegt in deiner Verantwortung die Gefühle anzunehmen und in einem ruhigen Moment, in dem du dich emotional wieder abgekühlt hast, mit dein:er Partner:in nachzubesprechen, ohne einen Vorwurf daraus zu formulieren. Ja, das fällt manchmal schwer.

Wenn du es schaffst, dann versuche es als Chance zu sehen. Eine Chance, dass du dir darüber klar wirst, was du brauchst oder eben so nicht machen möchtest. Eine Chance miteinander zu wachsen und ganz bewusst eure Strukturen zu entwickeln. Ihr könnt bewusst mit diesem Phänomen umgehen und gemeinsam daran arbeiten, dass ihr euch annähert und alle in Ihren Bedürfnissen gesehen werden. Auch du!

Du bist richtig, wie du bist!

Du darfst und musst für dich einstehen!

Verliere nicht den Mut, dass ihr gemeinsam etwas bewegen und neu strukturieren könnt! Und holt euch Hilfe! Das ist keine Schande sondern ein großes Potenzial!