wo fängt das eigentlich an, dieses „politisch sein“?

Immer wieder bekomme ich zu hören: „Paula, du bist doch so politisch, was denkst du zu…“ oder „Paula, du machst doch diskriminierungssensibles Coaching aber du bist ja schon auch sehr politisch…“. Und ich sitze da mit großen Fragezeichen im Gesicht. ICH bin politisch? Was meinen die Menschen damit? Ich bin in keiner Partei Mitglied, ich bin nicht im direkten Sinne politisch aktiv, ich bin nicht die, die sich traut in der Öffentlichkeit laut ihre Meinung zu sagen.

Was sehen die Menschen? Wie trete ich auf? Worin vermittle ich das Gefühl politisch zu sein?

Das bringt mich zum Nachdenken.

Diskriminierungssensibilität ist mir wichtig!

In allem, was ich tue, ist es mir wichtig Menschen mitzudenken.

Menschen, die sich nicht in meiner Bubble bewegen.

Menschen, die weniger privilegiert sind, als ich.

Menschen, die ganz andere Erfahrungen mitbringen.

Menschen, die aus welchen Gründen auch immer größere Hürden im Leben haben oder vielleicht auch einfach nur andere, die ich auf den ersten Blick nicht verstehen kann oder muss.

Ich versuche die Menschen dort abzuholen, wo sie sind und sie nicht von dem zu überzeugen, wo ich bin.

Ich höre ihnen zu und wenn sie fragen, kann ich klar sagen, was ich dazu denke.

Und das ist eben oft, dass ich es wichtig finde Menschen in ihren Grenzen, ihren Sorgen, ihren Bedürfnissen wahr- und auch ernst zu nehmen.

Es tut mir nicht weh…

Es tut mir nicht weh, zu gendern.

Es tut mir nicht weh, Menschen so anzusprechen, wie sie es sich wünschen.

Es tut mir nicht weh, wenn ich die Treppe nehme, weil jemand anderes auf den Aufzug angewiesen ist und auch schnell ans Ziel kommen möchte.

Es tut mir nicht weh, benachteiligten Menschen etwas von meiner Kraft und Zeit abzugeben, wenn sie es wollen.

Ja, manchmal fordert es mich heraus.

Ja, vieles ist auch für mich außerhalb meiner alltäglichen Erfahrung und darum vielleicht fremd oder ungewohnt.

Ja, auch ich denke in Schubladen und muss mir das immer wieder bewusst machen.

Ja, auf andere Rücksicht nehmen, ist Arbeit und manchmal ungemütlich!

Und ja, auch ich muss schauen, dass ich mich dabei nicht zu sehr selbst infrage stelle und meine Kräfte beisammen halte.

Gemeinsam können wir!

Aber über all dem steht eben die Überzeugung, dass wir die Welt nur gemeinsam besser machen können, wenn wir uns gegenseitig so akzeptieren, wie wir sind und dem auch Raum geben.

Wenn wir zum Beispiel einen Wunsch nach einem neutralen Pronomen nicht abtun mit: „Ach, für mich ist das egal, für mich bist du ein Mensch.“, sondern annehmen mit einem „Ok. Wenn das für dich wichtig ist, dann werde ich das üben.“

Wenn wir der BIPoC-Person (Black, Indigenous & People of Color), wenn sie von Rassismuserfahrungen erzählt, zuhören und nicht selbst beginnen zu erzählen, was wir dabei denken oder fühlen.

Und wenn das politisch ist … dann ja. Dann bin ich wohl politisch.

Aber in erster Linie bin ich Mensch und systemische Coachin und Mediatorin. Mir ist es wichtig, dass bei mir jede Person einen Raum findet, in dem sie sich auf Augenhöhe und mit allem, was sie mitbringt gesehen fühlt. Darum ist mir diskriminierungssensibles Coaching so wichtig!